Hohe Tour 4.0 – Christi Himmelfahrt 2011

Die vierte Variante der Hohen Tour sollte mal wieder auf tschechischer Seite verlaufen und war seit mindestens 3 Jahren zumindest grob geplant. Unterschiede zu den vorangegangenen Touren gab es allerdings erhebliche:

 Herr X war diesmal nicht mit (☺), dafür gab Colin sein Hohe-Tour-Debüt
 Wir fuhren im Frühjahr, nicht wie üblich im Herbst
 Es ging ziemlich spontan los, so dass mir Zeit zur Detailplanung, bzw. Ausdruck böhmischer Kartendetails fehlte
 Meine vollgefederderte Premiere, nicht nur auf der Hohen Tour – d.h. aber auch, ein unbekanntes Rad mit Schwächen und Zicken unterm Allerwertesten...titelbild

Treffpunkt halb 9 am Neustädter Bahnhof klappte perfekt, Fahrausweise alle da, Zug fuhr pünktlich ab...da fiel Colin auf, dass sein Rucksack noch auf der Bahnsteigbank lümmelte. Also Dresden-Mitte wieder raus und auf den Pferden zurück. Der Sack war noch da und das SEK zur Sprengung noch nicht anwesend. Unser verzweifeltes Flehen, dass das auch nicht nötig wäre, erhöhte dann doch eine Bedienstete, welche abwinkend sowas wie „harmlose Irre“ und „nehmt nur“ murmelte. War ja zudem auch noch Kirchentag – passt schon. Letzterem verdankten wir aber auch eine S-Bahn Frequenz von 15 Minuten, sodass wir kurz nach 9 (schon gut erwärmt) in der nächsten Bahn nach Heidenau saßen. Die Müglitztalbahn war allerdings weg, so dümpelten wir 'ne ganze Weile in Heidenau bis zur nächsten Bahn herum und starteten im Endeffekt erst 11.15 Uhr in Altenberg.
Ganz schön spät – doch egal, erstmal angekommen! Und zweitens hatte Herr X doch irgendwann mal behauptet, dass die böhmische Hohe Tour 'ne entspannte Halbtagestour, ggf. mit Damenrad und Lenkereinkaufskörbchen sei... Also.

Der direkte Weg auf den Kahleberg zwang trotz hochgezüchteter „fullsuspension bikes“ zum schieben, den Weg werde ich wohl nicht mehr einbauen. Dafür gab es oben in der geöffneten Baude (die hatte sonst immer noch zu), Wurst und Radler. Man hat ja Zeit und mittlerweile Hunger.
Geradlinig nach Zinnwald und über die Grenze gerollt, über die Skibrücke und dann ging die Schlamperei schon los: Eigentlich wollte ich den offiziellen (markierten) Radweg 3010 fahren, verpasste aber irgendwo den Abzweig, und so kurvten wir um Cinovec herum und erwischten „nur“ den 23er, welcher der Straße zum Mückentürmchen folgt. Nicht direkt schlimm, unterwegs kann man auskneifen und den Fernwanderweg E3 nehmen. Diese Variante kannte ich von der 2.0 Tour – war allerdings überrascht, wie anspruchsvoll dieser Weg doch ist (was wollte Herr X mit dem Damenrad hier?).

Die Abfahrt vom Mückentürmchen machte dann richtig Laune. Im Gegensatz zur 2.0 Tour, wo Maiki und Herr X im Nebel und zwischen Kühen herumirrten, war dieses Mal bestes Wetter: Trockene Piste, beste (Fern)Sicht, und nix und niemand im Weg.
Allerdings entwickelte sich in der Fortsetzung der vermeintliche Fahrtwind in einen strammen Gegenwind, welcher uns doch erheblich ausbremste.
Hinter Adolfov begann das Herzstück der Version 4.0, der böhmische, markierte Wanderweg 3017.
Nun ja. Die Qualität böhmischer Radwege ist bekanntermaßen gewöhnungsbedürftig – dieses Level kannte ich allerdings noch nicht. Im Prinzip bestand der Radweg aus einer plattgefahrenen Traktorspur in kniehohem Gras. Das heißt kein Feldrain oder verwachsener Weg oder so, nein, mitten durch eine riesige Wiese waren zwei/drei Traktoren gefahren und ab und an steckte ein Radwegschild...Manchmal waren sich die Traktorpiloten aber uneins und die Spur teilte sich. Wegweiser war allerdings keiner mehr übrig. Rechts? Links? Mein hilfesuchender Aufruf an den beiwohnenden Garmin-Navigationsingenieur, ergab nur die Auskunft: „Hier gibt es Feuchtbiotope“. Klar haben wir die kurz darauf gefunden – das Radfahren hat es nicht wirklich erleichtert.
Die von uns gewählte Traktorspur schwankte dann mal kurz zwischen kniehohem Gras und knietiefen Schlammrinnen, um sich dann im Nichts zu verabschieden. So schoben wir 'ne Weile durch das „Nichts“, eine Mischung aus Hochmoor, Grasland, Brachland und Acker.
Eine weitere Traktorspur führte uns dann aber doch nach Krasny Les.
Uff, das hatte ich nicht erwartet!
Der wiedergefundene 3017er führte uns – gut beschildert - am Sattelberg vorbei, mal rechts mal links und dann sportlich runter in den Zufluss des Mordgrundbaches. In der Abfahrt kamen uns  Mountainbiker entgegen. Diese, obwohl aufwärtsstrampelnd, hatten für uns sogar ein Lächeln übrig. Warum, wurde mir im Gegenanstieg klar, verlor sich dieser doch wieder in so einer Graslandschaft, welche schon ohne Steigungsprozente anstrengt.
Oben auf der Höhe lag dann ein Radwegschild – in welche Richtung war nicht klar. Wir probierten erst links, bis quergespannte Weidezäune den Weg absperrten. Also zurück und den rechten Abzweig. Im Endeffekt wäre links wahrscheinlich richtiger gewesen, der rechte Abzweig brachte uns aber auch nach Petrovice. Dort nahmen wir wieder Fühlung zum 3017er auf und radelten selbigen nach Rajec und weiterführend unbezeichnet nach Ostrov. Dort gab es erstmal eine Bierberatung. Der Weg hatte doch ganz schön an den Reserven geknabbert, die Speicher waren eigentlich leer – ein stilvoller Ausweg musste her! Als erstes verzichtete ich auf Experimente im Christianenwald, das zu erwartende auf und ab wollte keiner mehr. Durch den Schlenker Dürrebielegrund ersparten wir uns eine Schiebepassage nach Schneeberg UND umgingen den Hohen Schneeberg gleich mal mit. So rollerten wir dann die Straße bis zum Abzweig Christianenburg und weiter den entspannten Wanderweg nach Maxdorf.
Durchs Böhmische Tor unterm Zschirnstein lang, und als kleine Zugabe noch den Salzleckenweg zum Wolfsberg. Von Reinhardtsdorf nach Krippen prüfte ich noch mal eine Abfahrtsmöglichkeit, welche sich als müßige Schlepperei herausstellte. Egal, in Krippen wurde Elbweg 9a angesteuert, da gab es Bier, Bauernfrühstück, einen Wasserhahn und eigentlich war es doch 'ne geile Tour.
Der Zug brachte uns sicher nach Hause...
Hohe Tour 4.0 – was spezielles!
Eine Frage quält mich aber immer noch: Was zum Geier hat Herrn X zu der Äußerung mit der Halbtagestour und Damenrad bewegt.....?

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