Frust und Lust mit und durch den VVO

Wenn im Herbst die Kinderdrachen und die bunten Blätter im Herbstwind tanzen, wird es Zeit für die Hohe (Rad-)Tour.

Das Programm sah Version 4.0 vor, eine Modifikation der tschechischen 2006er Version 2.0. Die MDR Wetterfeen vermuteten seit mehreren Wochen jeweils für den Folgetag schönstes Herbstwetter, immer mit dem Unterton, dass übermorgen schon der „Goldene Herbst“ vorbei sein kann/wird. Also schnell dem Chef erklärt, dass man unbedingt ein paar Tage Urlaub braucht - für sich selbst, das Rad und überhaupt. Schwieriger wurde die Freigabe durch Frau und Kind. Vor allem erstere musste langwieriger davon überzeugt werden, dass es nicht zwangsläufig einer dauerhaften Trennung gleichkommt, wenn man mal einen ganzen (Urlaubs-)Tag allein Rad fährt.

Und so saß ich am 13.10. im ÖPNV. Bewusst war ich später als sonst gestartet – wollte ich doch dem Morgennebel eine Chance geben, sich zu verziehen, und, hatte ich doch nach der 2.0 Tour leichtfertig verkündet, die „böhmische“ Hohe Tour ist 'ne Halbtagestour. So sollte mich die Bahn erst 10.11 Uhr in Altenberg anliefern. (Halbtagestour oder nicht, nach 11 sollte man trotzdem nicht in Altenberg starten, meine Meinung.) Dummerweise spielte der VVO nicht mit. Der Triebwagen der Müglitztalbahn war kaputt, mit dem Ersatzzug ging es dann erst mit einer reichlichen halben Stunde Verspätung los. Naja, gerade noch im Zeitfenster. Für Ratlosigkeit unter den mittlerweile zahlreichen Mitfahrern sorgte indes die Zugdurchsage bei Schlottwitz: „Sehr geehrte Reisende, auf Grund der Verspätung endet dieser Zug in Glashütte. Nutzen sie zur Weiterfahrt den Linienbus oder den Folgezug in 30 Minuten.“ Am Glashütter Verkehrsknotenpunkt dann die Ernüchterung: Linienbus nach Altenberg über Dippoldiswalde, weiter B170 in 30 min. Folgezug in 90 min.... Damit war mein Zeitfenster zu und ehrlich gesagt, ich glaubte – wie viele andere „Gestrandete“ auch - an diesem Tag nicht mehr daran, mit dem VVO Altenberg zu erreichen.

Die Herbstsonne und der bunte Wald rings herum wollten aber keine miese Stimmung aufkommen lassen, und nach kurzem Kartenstudium mutierte Glashütte eben zum offiziellen Startpunkt dieser Runde. Der Frust darüber, dass es in diesem Jahr wahrscheinlich keine Hohe Tour Version 4.0 mehr geben wird, wurde im asphaltierten Anstieg nach Rückenhain und weiter nach Neudörfel einfach weggetrampelt. Ein lehmig schmieriges Weglein, welches alle Konzentration forderte, führte mich in mein spontanes Alternativziel – den Trebnitzgrund. Ohne konkrete Pläne wohin und warum, radelte ich den Grund einfach hoch und ließ mich vom gigantischen herbstlichen Farbenrausch einfach einfangen. Weiter ging es dann recht entspannt über die Liebenauer Platte nach Breitenau, und.... Moment mal, ist das etwa dicker Nebel welcher da um den Sattelberg wogt? Ist etwa die gesamte tschechische Seite vernebelt? Immer noch (es war mittlerweile Mittag durch)? Sollte man etwa bei der unfreiwilligen Routenwahl Glück gehabt haben...? (Sollte man etwa dem VVO noch dankbar sein?)

Im Gottleubatal wurde die Route der Hohen Touren 1.0 / 3.0 touchiert, aber dieses Mal nicht weiter verfolgt, sondern nach Bad Gottleuba weitergefahren und auf den Augustusberg hochgeradelt. Weiter gings über Bahratal-Markersbach und einem Besuch der Grenzplatte via Wormsbergweg zur Ottomühle im Bielatal. Am Magnet gab es endlich Futter und isotonische Getränke, sodass die Weiterfahrt nach Rosenthal – Winterleite – Cunnersdorf recht zügig ablief. Als besonderes Schmeckerchen stellte sich die traillastige Auffahrt beim Cunnersdorfer Bad und im weiteren Verlauf der Schlußdownhill nach Krippen dar. Nach Abchecken der Bierreserven bei Bergfreund Wuschel (der hatte nur alkoholfreies oder überlagertes da....), wurde sofort der nächste Zug nach Hause genommen, noch rechtzeitig, um am abendlichen familiären Wahnsinn teilzunehnen.

Fazit: Geniales Wetter, genialer Herbstwald, geniales Bikerevier. Dass die Hohe Tour Version 4.0 letztendlich nichts geworden ist, ist eigentlich egal. Die spontan gefahrene „Halb-Hohe Tour“ ist so oder so eine Bereicherung in meiner Tourensammlung. Und dafür bin ich dem VVO wirklich dankbar.

Trotzdem sei noch mal VVO-Kritik angebracht: Eine Weiterfahrt von Glashütte mit Bus über Dipps nach Altenberg ist nur bedingt eine Alternative. Wohin mit den rund 10 Rädern? Viele Reisende wollten nur bis Geising, bzw. die Kindergartengruppe (aus Weesenstein oder so) in den Wildpark Hartmannmühle (mittags wollten die wieder zurück sein, zum Essen und Schlafen). Glashütte als Endstation ist da sicher nicht so der Brüller. Interessant auch die Aussage eines mitgestrandeten Pärchens. Sie erzählten, dass es ihnen trotz mehreren Versuchen noch nie (!) gelungen ist, mit dem Zug nach Altenberg zu gelangen. Bei mir liegt die Erfolgsquote bei mittlerweile 4 Versuchen auch nur bei 50%.

erlebt und aufgeschrieben von Th.

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