Mit dem Rad entlang der Dresdner Südgrenze

Th. allein im Wald

Ein freier Sonnabend! Und nicht nur tagsüber, sondern auch abends, die Nacht und der halbe Sonntag. Das schrie förmlich nach körperlicher Ausarbeitung mit anschließendem Chill-out.

Den Dresdner Süden mit dem Fahrrad mal auf Mountainbiketauglichkeit zu untersuchen, war schon lange geplant, also schauen wir mal:

Der untere Teil des Zschonergrundes bis zur gleichnamigen Mühle war bekannt und schnell durchradelt. Der obere, unbekannte Teil glänzte in herausragender, typischer Linkselbischer-Täler-Manier, d.h. schlammig, felsig, schmal. Feinster Singletrail noch im Dresdner Stadtgebiet, mit realistischer Chance auf ein unfreiwilliges Bad im Zschonerbach. Die Schulzenmühle am oberen Anfang des Zschonergrundes hatte leider noch zu, die Preise hätten ein Nachfüllen der Energietanks sicher nicht verhindert. Eine Inspektion dieser Lokalität wird aber mit Sicherheit noch nachgeholt, da die weitere Strecke nach Freital noch etwas modifiziert werden muss. Durch Autobahnneubau inklusive diverser Zubringertrassen sei dieser Abschnitt nicht weiter beschrieben (war Sch...).

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Der obere Zschonergrund überrascht durch recht anspruchsvolles MTB-Gelände.   ...fast unwiderstehlich!

Der Windberg, als nächstes Ziel, droht schon recht hoch über dem Weißeritztal, die Auffahrt entlang des gelben Punktes überschritt dann schon mal die 20% Steigungsmarke, und ist sicher auch für Rennradler dank betonierten Untergrundes eine Herausforderung.

Am 1904 errichteten König-Albert-Denkmal gab es dann erst mal eine verdiente Rast.

Auf dem Windberg sollte man dann noch mal am Bergmannsgrab vorbeischauen. Dieses erinnert namentlich an alle 276 Bergleute aller Altersgruppen, welche am 2.August 1869 bei einer Schlagwetterexplosion im nahen Revier ihr Leben ließen.

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 Steinerner Tisch im Poisenwald

Bergmannsgrab auf dem Windberg, da nimmt man schon mal den Helm ab.   

Viel Zeit zum Nachdenken über dieses Unglück blieb nicht, da die Abfahrt ins Poisental im eigenen Interesse volle Konzentration forderte und auf der anderen Seite der Anstieg zum Steinernen Tisch auch nicht gerade entspannend wirkte. Aussehen und Errichtungsgrund des Steinernen Tisches ist identisch mit dem gleichnamigen Teil im Basteigebiet. Wieder runter ins Poisental und anderseits wieder rauf nach Bannewitz zur Goldenen Höhe auf dem Gohlig.

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...und immer wieder was dazugelernt. (u.a.: Ein Polfilter ist'ne tolle Sache!)
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 ...und immer wieder was dazugelernt. (u.a.: Ein Polfilter ist'ne tolle Sache!)

Der Rote Punkt führte mich weiter durch den genialen Gebergrund, zur Babisnauer Pappel und weiter zur Burgstädtler Linde – klingt banal, das Streckenprofil verschuldete an besagtem Lindenfragment allerdings das erste Schrillen der roten Alarmglocke in den Waden. Also Päus’chen.

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 Hinter Rippien grüßen die Tafelberge

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   Im Gebergrund. Dieses Bächlein flutete 2002 Dresden Prohlis
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 An der Babisnauer Pappel ist's schon herbstlich  Oberhalb des Lockwitzgrundes an der Burgstädtler Linde. Im Hintergrund der Wilisch.
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 Autobahnbrücke über den Lockwitzgrund

 Bei Borthen geht's über die A17.

Dann recht eben weiter bis Lugberg, welches früher mal ein Turm zierte und heute nur noch verunziert. Recht holprig ging’s dann die Alte Dohnaer Straße ins Müglitztal und noch mal straff hoch nach Grosssedlitz. Vom Barockgarten weiter recht abenteuerlich über Elektrozäune, durch Schafweiden und außergewöhnlich pampiges Gelände zur Siedlung Schlosserbusch in Pirna.

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 Barockgarten Großsedlitz, Friedrichsschlößchen (Ist mal was für Muttern...)

 Der Lugturm  
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 Der Schlusspunkt der Tour. Von hier ging's fast nur noch bergab.

Zwischenbilanz:

Geniale Streckenabschnitte, landschaftlich wie fahrtechnisch.

Auch für den geschichtlich Interessierten sehr empfehlenswert.

Überraschend welliges Streckenprofil, welches die persönlichen Kriterien einer leichten Bergtour erfüllte (Soll: 150 Höhenmeter auf 10 km – Ist: 900 Höhenmeter auf 60 km), entsprechend mäßig der Schnitt mit knapp 15km/h.

(Trotz zahlreicher Versuchungen allen Schankwirtschaften getrotzt.)

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Der Ruf des Bierfasses war inzwischen fast unerträglich. Doch woher kam dieser Sirenengesang? Auf dem Elbradweg war trotz Wochenende und herrlichem Wetter in Pirna und Heidenau alles zu – die Inhaber rüsteten gerade auf für den nachfolgenden Sonntag, 10. SZ Radsportfest, na dann Prost.

An der Birkwitzer Fähre war dann doch offen, und ich musste mich wirklich zusammenreißen, nur ein Bier zu trinken. Als Straßenverkehrsteilnehmer gehört sich das so. Insbesondere auf dem Elbradweg bedarf es einer gehörigen Aufmerksamkeit und Reaktionsschnelligkeit, um nichts zu verpassen. Erwähnt seien hier als besonderer Unfallschwerpunkt die Geschöpfe beidseitig der Automatikleinen, sowie die scheinbar planlos hin und her irrenden Kreaturen auf den vielen kleinen Rollen. Der sportlich orientierte Radler riskiert wahrscheinlich nur auf der B170 zwischen Obercarsdorf und Schmiedeberg mehr seiner persönlichen Unversehrtheit.

Aber auch dieses mal ging’s gut und irgendwann war zu Hause beim entspannenden Bad mit Bier der Punkt der relativen Glückseligkeit erreicht.

Dass die Rückfahrt via Elbradweg den Status einer Bergtour vernichtete (10 Höhenmeter auf 30 km) und sich der Schnitt dank permanentem, ungewollten Intervalltrainings kaum verbesserte (am Ende 16,5 km/h), ist doch völlig egal.

Oder?

Th.

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