Zu Fuß von der Sächsischen Schweiz in´s Böhmische Paradies

Onkel Andre allein unterwegs

 
Start war 17 Uhr am Donnerstag, den 16.Mai 2013 in Kleingießhübel. Über den Wiesenweg, Bergsteigerpfade und den Neujahrsweg ging es auf die Zschirnsteinwarte. Dann folgte schon der höchste Punkt, mit 473m der Kleine Zschirnstein. Auf alten Forstwegen eilte ich der Kalkbude entgegen, allerdings trat ich in ein mit Ästen verdecktes Loch und flog kopfüber in´s Reißig. Verdammte Unordnung im Wald. Der linke Knöchel meldete eine Zerrung an. Aufgeben? Der Tag ist doch noch jung, vielleicht gibt sich´s… 13 pr a 001


Über Marktweg und Schiebbachgrund ging´s zum Elbradweg und zur Fähre Schöna. Der Fährmann Wolfgang freut sich über `nen Fährgast und kann mit meinem Ziel gar nichts anfangen. Irgendwo in Tschechien halt. Seine guten Wünsche sind die letzten deutschen Worte für längere Zeit.
Erst Rot die Dürrkamnitz hinauf, dann Blau folgend geht`s bis zum Bahnhof Vesele. In Vesele mach ich Abendbrot, es ist 22,45Uhr. Die Laufgeschwindigkeit macht mir etwas Sorgen, da der linke Fuß nicht richtig rollt, ich bin zu langsam.


Die nächsten Orte sind Nachts wunderbar beleuchtet, von Kerhartice über Nova Ves bis Volfartice brauch ich nur eine rote Warnlampe. Die Bewohner von Horni Libchava können sich diesen Luxus nicht leisten, entweder zahlen sie zu wenig Steuern oder erzeugen ihren Strom ohne Atom. Allerdings halten sie bis zu 5 Hunde auf einem Hof, was ich dem mehrstimmigen wütenden Gebelle entnehmen kann. Gott sei Dank waren alle Tore geschlossen.


Am Bahnhof von Ceska Lipa Strelnice hat mich die taghelle Nacht wieder und ich raste gegen 2,15Uhr in einem Buswartehaus. 2 Junge Tschechen kommen mit ´ner Kiste und einem Wäscheständer auf mich zu und sprechen mich an. Vokabelkenntnisse meinerseits: ungenügend. Sie zeigen mir einen Pokal in der Kiste: sie sammeln Verschlußkappen von Limoflaschen. Mein Herz´l rutscht aus der Hose wieder hoch und ich trinke gern meine 2. Flasche leer.


Ceska Lipa sieht nachts wunderschön aus, alles ist in ein weiches Licht getaucht. Nur wenige Leute sind neben der Staatsmacht unterwegs. Ich finde die blaue Markierung und folge ihr bis Okresice. Dort beginnt eine alte, mit Betonplatten ausgelegte Straße Richtung Hracany. Hinter einem Bahnübergang lege ich mich in´s weiche Moos, der erste Arbeiterzug am Freitag wird ein verschlafen meinerseits verhindern…. Kurz vor 5Uhr bin ich wieder auf den Beinen, meine Anwesenheit hatte sich unter den Mücken sehr schnell herumgesprochen.


Immer geradeaus. Damit es nicht langweilig wird, suche, finde und besteige ich den Jungfernstein.
6,45Uhr, das ist ungefähr die Mitte der Wanderung. Weiter immer geradeaus nach Hradcany. Sehr idyllisch gelegen, der Angler im Nebelmeer fängt gerade sein Mittagessen. Dem Seeenrundweg folge ich bis zur Alten Leipziger Straße und dieser bis nach Kurivody – Hühnerwasser. Wandern an der Russenwaldroute fordert Reaktionsvermögen, die LKW sind sehr schnell und im Straßengraben läuft sich´s schlecht. Nach 1 km biege ich links ab. Kleinen Straßen folge ich, am oberen Ende von Rokyta vorbei über Mukarov nach Neveklovice, 12,50 Uhr wars. Hätte ich mir gar nicht aufgeschrieben, wär der Wanderweg nicht durch einen Bauernhof gegangen und da gab´s einen kleinen, angeleinten Hund, der mich ordentlich ausbellte. War aber nur der Weckruf für den großen, nicht angeleinten Hund, der es mit grimmigen Knurren und einen Schups mit seiner Schnauze an meinen Po gut sein ließ.


Der Straße folge ich nach Mohelnice nad Jicerou, wo ich die Iser überquere und zur Burgruine Zasadka aufsteige. Und weil steigen so schön ist, mache ich gleich weiter bis zum Sportplatz von Sychov um dort festzustellen, dass ich falsch bin. Nach bissel suchen finde ich eine Wiese, die mich zur Straße Richtung Brezina runterbringt, ohne dass ich durch einen Bauernhof muss.


In Brezina hat der erste Laden des Tages geöffnet, die Tante Emma kommt aus Fernost und ich kann meine Trinkvorräte auffüllen. Ab hier dann nur noch markierte Wanderwege, Blau bis „Schihasi“, Gelb bis hinter Pletskotsky Mlyn und dann Rot über Dolny Mlyn nach Mladejov. Beim Anstieg hinter dem Ort seh ich dann Leute am Wegesrand stehen, die sich beim näherkommen als Bäume entpuppen. Los, noch 6km, das schaffst du! Es wird langsam dunkel, und ich hab keine Lust, meine Lampe rauszukramen und so erreiche ich gegen 22Uhr nach ca. 118Km den Zeltplatz Jinolice. 13 pr a 002


Nach der Herzlichen Begrüßung steht schon ein Bier für mich bereit, aber so richtig schmecken will´s mir an dem Abend nicht. Selten, daß ich das zweite halbe verschenke..


Gärtnermeister Weidner stellt mir bei Eisert´s Silberhochzeitfeier eine interessante Frage: Wie kommt man eigentlich auf so eine Idee? Nunja, vor einigen Jahren regte sich Sig über die Fraktion der Prachau – Fahrradfahrer auf und wir beschlossen, mal zu laufen. Ist leider nicht eher geworden.

Erlebt und aufgeschrieben von Onkel A.

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