Westliche Zinne - Cassin

Einer DER Klassiker an den Drei Zinnen

Eigentlich habe ich von Kay nur interessehalber wissen wollen, was sie vorhaben. Er fragte nur kurz: "Kommste mit?" Ich dachte nach. Fast zwei Jahre kaum klettern, der Bau noch nicht fertig und dann DIESES Angebot. Wer sich etwas mit den Dolomiten beschäftigt hat, weiß, dass die Cassin als absolute Traumtour gilt. Und bei mir stand sie schon lange auf der Wunschliste. Kurze Beratung mit Katrin und ich sagte zu.

 

Los ging es Sonntag früh, Treff bei Jonas in Dresden, dann noch Sebi in der Fränkischen eingesammelt. Zum Nachmittag erreichten wir bei schönstem Wetter unser Ziel. Wir wollten am Parkplatz der Auronzohütte übernachten. Dorthin führt eine Mautstraße. Laut Kletterführer kostet die 22,- € / Tag und jeder weitere 5,- €. Die Preise haben sich gewaltig erhöht. So sind jetzt 30,- € Maut und 15,- € / Tag zu entrichten. (Man kann auch nicht mehr wie einst, abends einfach an der Schranke vorbei fahren ...) Doch wenn man zu viert ist, relativiert sich der Preis. Oben angekommen genossen wir die herrliche Aussicht. Sebi und ich gingen noch auf Erkundungstour zum Einstieg, damit wir am nächsten Morgen nicht mit der Wegsuche zu viel Zeit verlieren. Das Wetter hatte sich besonnen und versprach sehr gut zu werden. Nach einem "Hetzelsdorfer alkoholfrei" gingen wir früh schlafen.

Der Wecker klingelte um 3 Uhr morgens. Nach einem leckeren Instant-Kartoffelbrei mit Zwiebeln und einem Cappucchino starteten wir um 4 Uhr unsere Tour. Im Schein unserer Stirnlampen stolperten wir los. Der Vollmond und die Erkundung vom Vorabend erwiesen sich als sehr hilfreich. Gegen 5 Uhr erreichten wir den Einstieg. Kay und Jonas stiegen in Wechselführung vorneweg. Sebi und ich folgten als zweite Seilschaft. Die Wechselführung haben wir schon in der zweiten Seillänge aufgegeben, da ich sofort merkte, dass ich der Tour nicht gewachsen war. Das konnte ja was werden! Sebi als zwar guter Kletterer aber mit wenig Erfahrung im alpinen Gelände und hintendran ein völlig untrainierter Nachsteiger.

Die ersten fünf Seillängen bis auf den Pfeiler waren noch recht moderat bis zum 5. Grad. danach geht es nach links zur Kante und es wird steil. Man quert auf einem etwa 20 cm breiten Band 8 m nach links. Das Band endet und man schaut nach oben: Leicht überhängend, kaum Griffe und unter einem bricht die Wand mit knapp 200 m lotrecht in die Tiefe. Zum Glück ist diese Seillänge durch Haken gut gesichert, so dass man hier auch A0 klettern kann. Danach geht es um die Kante und der lange ausgesetzte Quergang beginnt. Die erste Seillänge davon ist die mit Abstand schwerste, selbst wenn man sie, wie wir, A0 klettert. Freigeklettert wäre das sächsisch ca. 9a. Die zweite Seillänge des Querganges ist etwas leichter aber das macht es für mich nicht besser, die Finger beginnen zu krampfen. Danach wollen auch die Arme ihren Dienst versagen, ich benötige immer mehr Pausen. Die Ausgesetztheit tut ihr Übriges. Immer wieder versuchte ich mit Dehnübungen die Muskeln zu entkrampfen. Die folgenden Seillängen waren auch schwer, aber sie querten nicht mehr. So konnte ich die schwersten Stellen mit Prusiktechnik überwinden.

Kay und Jonas waren inzwischen weit voraus. Sie stiegen zum Gipfel und wolltem am Ringband auf uns warten. Auf dem Biwakband rasteten wir. Die Pause tat gut, ich erholte mich etwas. Die folgenden Seillängen bis zum Ringband sind nicht mehr so schwer, aber auch nicht mehr so gut gesichert. Sebi hatte aber auch damit keine Probleme. Souverän führte er bis zum Gipfelringband. Hier wurden wir schon erwartet. In anbetracht der vorgerückten Stunde machten wir uns gleich an den Abstieg. Dieser folgt Steigspuren in östlicher Richtung (Richtung Große Zinne). Einige Abseilstellen sind auch dabei. Man hat dabei eine gute Aussicht auf die Westwand der Großen Zinne. Nach einer Stunde erreichten wir die Schlucht zwischen beiden Gipfeln und nach einer weiteren halben die Auronzohütte. Hier gab es ein verdientes Gipfelbier. Es war 9 Uhr abends und unsere Tour war zu Ende. Es war für alle Beteiligten sehr anstrengend. Man sollte sich von den Angaben im Kletterführer 6- A0 nicht täuschen lassen. Die Länge der schwierigen Passagen, die Steilheit und Augesetztheit machen die Tour zu einem anspruchsvollen Unternehmen. Insgesamt deutlich anspruchsvoller als die Comici an der Großen Zinne!

Am nächsten Tag hatte niemand mehr Lust zum Klettern. Wir beschlossen, den Rundweg um die Zinnen zu gehen. Bei diesem Wetter ein wunderschönes Erlebnis. An den Hütten gab es Bier (Elektrolyte auffüllen!) und über den Paternkofel-Klettersteig ging es zurück.

Alles in allem ein sehr eindrückliches Erlebnis und ich würde Kay wieder zusagen, auch wenn ich der Tour nicht gewachsen war!

 

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