Weisshorn einmal drüber!

Weisshornüberschreitung von Kay, Jonas & Martin

"Wie wär´s mit dem Weisshorn?"

Jonas' Vorschlag hatte auch für mich einen besonderen Reiz und klang gleich wie Musik in den Ohren.
Allerdings wollte ich nicht unbedingt mit den Massen über den Ostgrat zum Gipfel und so kam mir der Schaligrat in den Sinn, es wäre noch dazu eine klassische Überschreitung.

Wir, Jonas, Martin und ich fuhren also am Freitag in Richtung Zermatt. Wir bekamen in Goppenstein einen der letzten Züge des Tages und erreichten so gegen 0:30 Uhr Randa.
Bei einem ehemaligen Hotel, deren Räumlichkeiten die Gemeinde für Feiern vermietet, fanden wir auf einer Wiese unter einem aufgestellten Pavillon einen schönen Schlafplatz für die Zeit im Tal.

Samstag:

Eine kleine Eingehtour brachte uns von Zermatt über den Grünsee zum Gornergrat und wieder hinunter zum Riffelsee, dort setzten wir uns in die Gornergratbahn (Martin lief noch bis zur Riffelalp um Geld zu sparen) und erreichten gegen 17:00 wieder Zermatt.
Runter fahren ist halt besser für die Gelenke und ein langer Abstieg sollte uns schließlich noch bevor stehen.

Sonntag:

Es folgte wieder die Zugfahrt nach Zermatt (ein Tag kostet 27 Sfr., zwei Tage am Stück aber nur 29 Sfr.)
Nach einem kleinen Einkauf beim Bäcker (3 Brote) folgte der gemütliche 4h Aufstieg mit kurzer Rast am Haus Trift und kleiner Almhorneinlage zur Rothornhütte auf 3200m.
Ich hatte uns 3 Plätze von zu Hause aus reserviert und die Wirtin sagte mir schon, das Samstag alles voll aber am Sonntag reichlich Platz wäre, so hatten wir ein Lager fast für uns allein.
Zu meinem Erstaunen waren die Lagerplätze mit neuen Vliesschlafsäcken ausgestattet, auch gab es reichlich Plastelatschen als Hüttenschuhe, sehr nett.
Gegen 22:00 Uhr ging´s dann ins Bett, für den nächsten Tag war noch eine kleine Wetterstörung gemeldet.

Montag:

Der Start erfolgte mit den Zinalrothornaspiranten gegen 4:00 Uhr.
Wir folgten der Spur ca. 200 Hm bevor wir vor dem Felsriegel (Einstieg Zinal) unsere eigene Spur nach rechts in Richtung Äschhornsattel legten. Etwas unruhig wurden wir als uns ein paar Schneeflocken um die Nase tanzten, hoffentlich hält das nicht an.
Vom Äschhornsattel ging es in schöner IIer Kletterei, es hatte dann doch wieder aufgehöhrt zu schneien, ca. 200 Hm aufs Obere Äschhorn (3670m).
Die Morgendämmerung brachte dann doch nicht die erhoffte Sicht auf die Berge und so ging es mehr oder weniger im Nebel in Richtung Schalihorn.
Wir umgingen im Bogen die Spalten des Hohlichtgletschers und erreichten über ein ca. 40° steile Firnflanke und einer Felsstufe zum Schluss den Gipfel des Schalihorns. (3974m)
Der höchste Punkt des Tages war geschafft und es ging weiter im Nebel über einige Gendarmen (mit einem kleinen Verhauer) auf und ab hinunter ins Schalijoch, wo wir nach einem kurzen Schneeanstieg das Schalibiwak gegen 15:30 Uhr erreichten.
Eine Blechbüchse auf 3750 m für 8 Personen gemütlich und sogar mit Gas, Kocher, Töpfen und Geschirr ausgestattet. Mit diesem Wissen kann man sich glatt etwas Gepäck sparen.

Dienstag:

Die kleine Störung dauerte dann doch etwas länger und brachte über Nacht 4-5 cm Neuschnee, was ich morgens gegen 4:30 Uhr bei einem Blick aus der Schachtel feststellen musste.
Der Wind wirbelte den Schnee gehörig durcheinander und so war an klettern erstmal nicht zu denken.
Allerdings war mir auch nicht die lockere Bewölkung und der Sternenhimmel entgangen, welcher einen schönen Tag versprach.
Kurze Beratung und ab ging es wieder unter die „warmen“ Wolldecken.
Gegen 9:30 war dann doch aufstehen angesagt und wir begannen den Tag mit Schnee schmelzen und Tee kochen. Martin und ich unternahmen gegen Mittag eine Erkundungstour bis zum Beginn der Gratkletterei, dabei entdeckten wir eine Umgehungsvariante des ersten Gratturmes die uns in leichter Kletterei direkt in die Scharte zum „Schwarzen Turm“ bringen sollte.
Über den Tag kamen noch zwei 2er Seilschaften zum Biwak und wir hatten bei viel Gesprächsstoff einen herrlichen sonnigen Nachmittag.
Die Sonne sorgte auch dafür, dass am Abend der ganze weiße Zauberstaub wieder verschwunden war.

Mittwoch:

Aufbruch gegen 5:30 Uhr, früher macht wenig Sinn, da man sonst im Finstern den ersten 4er klettern müsste.
Die beiden anderen Seilschaften nahmen unsere Ortskenntnisse dankbar an und so erreichten wir die Scharte und somit die erste Schwierigkeit in der Morgendämmerung.
Es war windstill und bei etwa 0°C relativ warm.
Die aufgehende Sonne erwärmte die Felsen recht schnell und so folgte eine schöne Kletterstelle nach der anderen.
In 3er – 4er Kletterei unterbrochen von kurzen Firnpassagen ging es so Gratturm für Gratturm höher. Die beiden Seilschaften waren uns mittlerweile voraus, da es zu Dritt in den zu sichernden Passagen doch länger dauerte.
"Über steile Reibungsplatte auf schmales Band und dort nach links in die Westseite und bei guten Rissen wieder hinauf zum Grat (3+)."
So stand es im Führer und ich stand auf dem Band und schaute etwas verdutzt um die Kante wo ein Firnfeld es hervorragend Verstand die Risse zu verstecken. Was nun? Vor mir lag eine steile Reibungsplatte von ca. 4 m ohne Griff und Tritt erst dann setzte eine kleine Rippe ein die zum Grat führte.
Nach kurzem hin und her tänzeln legte ich noch einen Stopper unter meine Füße (kl. Riss) und los ging´s. In 3 Zügen auf kleinsten Reibungsbuckeln stehend die Hände in die Moosflechten gekrallt, die klobigen Bergstiefel am Fuß bis zur rettenden Rippe - geschafft! Aufatmen.
So war aus dem leichten 3er dann schnell ein 6er geworden und es erinnerte mich irgendwie an die „Messe“ am Papst.
Weiter ging es in der Ostseite in schöner Wandkletterei mit kurzer überhängender Verschneidung (1 Haken) und anschließendem kleinem Firngrat zum letzten Gendarmen. Über diesen hinweg erreichten wir gegen 12:30 Uhr den Weisshorngipfel. (4506m)
Bei strahlendem Sonnenschein und Windstille genossen wir etwa 1h lang den phantastischen Rundblick.
In der Zeit kamen noch zwei Franzosen über den Nordgrat zum Gipfel. Das letzte Stück über einen etwa 30 cm breiten Firngrat welcher rechts und links fast Senkrecht 1000 m in die Tiefe abfällt, ein geiler Anblick. Da musste man schon vorher die Ohren putzen, damit das mit dem Gleichgewicht nicht in die Hose geht.
Runter ging es nun über den laaaangen Ostgrat, anfangs im steilen Firn und später im Fels, gefolgt von einer Felsrippe (ein Steinmann mit gelber Gebetsfahne markiert den Einstieg) nach rechts hinunter bis die Felsen einem Schneefeld wichen.
Es folgte eine rasante Abfahrt (manchmal mit etwas zu viel Rückenlage) über 200 Hm bis zum Ende des Schneefeldes und links hinunter in „leichter“ Kletterei mitten durch einen Wasserfall zum Wandfuß. (Das war noch mal heikel weil arschglatt.)
Die Weisshornhütte war nun schnell erreicht.
Nach einer Stunde mit nem Bier in der Hand die Abendsonne genießend ging es dann noch die 2 Stunden bis nach Randa hinunter. Keiner sagte ein Wort und wir liefen wie in Trance die Serpentinen ins Tal.
Es war ein langer anstrengender Tag, der gegen 21:00 Uhr in der Kneipe neben dem Bahnhof bei einem Bier und einem Teller Spaghetti (15 €) endete.

Danke Jonas und Martin für die schönen Tage die wir miteinander verbracht haben.

Am nächsten Morgen ging es dann wieder Richtung Heimat, im Kopf eine Tour, die wir ständig auf der gegenüberliegenden Talseite vor Augen hatten.

Die Überschreitung von Täschhorn und Dom ist auch so ein Klassiker.

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